Wettbewerb Pflegeheim Kössen

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1539067116Wettbewerb Pflegeheim Kössen

http://www.architekturwettbewerb.at/competition.php?id=2242&part=preistraeger

Annerkenung. Accésit en concurso de ideas

Kössen, Austria

Colaboradores:

Christoph Popp, Alejandro Mosquera Garcia

 

Identität, Erinnerung

Identität entsteht durch Benutzung, durch die Erinnerung der Bewohner daran, was es bedeutet, ein Bürger zu sein, Teil einer aktiven Gemeinschaft, die um eine Straße herum organisiert ist.

Die Straße, als simpelster Baustein für jede Form der Urbanität, mit ihrer Komplexität, ihren verschiedenen Einzelsituationen und Aufenthaltsqualitäten ist der effektivste Weg, einen Raum zu erschließen, zu erfassen und so nicht nur erlebbar zu machen, sondern auch zu beleben.

Die Geschichte der Straße, ihre Geografie, ihr tägliches Leben jenseits der Schwellen geben dem Ganzen, der Summe der um sie gruppierten Teile, eine klare Identität. Main Street, High Street, Hauptstraße, die Vorprogrammierung des Sich-Begegnens, der grundsätzlichsten Form sozialen Kontaktes. Wenn man den Speisesaal verlässt, zur Cafeteria geht, zur Kirche geht, zum Tanz, zum Arzt geht – die Straße, das Hinaustreten, der Gang von zu Hause ins Dorf als Paradigma.

Die Funktionen des „Dorfes“ schließen neben der Wegfläche natürlich auch Orte des Ruhens und Aufhaltens ein, gleich einem Stadtpark, im Frühjahr unter dem blühenden Kirschbaum, neben dem Teich, vorm Apfelbaum, auf der ruhigen Bank vorm Haus des Nachbarn, auf den geschützten Terrassen, alles mitten am Tag, ohne gesehen zu werden.

Es gibt auch einen klimatisierten Übergang, ähnlich den “Passagen” Walter Benjamins, der die Straße umgibt und die die städtische Geographie des Zeitgenössischen, des Flaneurs darstellt. Platz für den, der unentschlossen ist, und doch auf der Reise, der über die Straße kreuzt und bald  bleibt, bald  spazieren gehen.

Das Gebäude muss als eine Stadt verstanden werden, eine Verwebung der Themen „Straße“ und „Passage“, über vielfältige und komplexe Lesarten verfügend, über Optionen, bevorzugte Routen, die jeder Benutzer als persönliche, individuelle Lektüre, seinen Wünschen oder seinen Trieben entsprechend gestaltet. Nur so kann ein einziges Gebäude die Vielzahl an Lebensqualitäten zusammenfassen, die auch einem komplett eigenständigen Leben innewohnen.

Programm

Dienstleistungs- und Hauptgebäude

Die Straßenbegrenzung im Norden mit dem öffentlichen Teil und dem Dienstleistungsgebäude bildet die Schnittstelle zwischen dem Stadtgrundstück und den öffentlichen Nutzungen und Einrichtungen des Komplexes.

Am östlichen Ende des Dienstleistungsgebäudes, also in direkter Anbindung an das Straßennetz des Dorfes, ist der Haupteingang angeordnet, mit ihm verbunden sind im Erdgeschoss die Arztpraxis, die Tagesbetreuung und im Obergeschoss die öffentlichen Funktionen (Café, etc.), der Sozial- und Gesundheitssprengel” und  die Verwaltung. Durch die Aufteilung des öffentlichen Bereichs in zwei Geschosse erhält das Gebäude auch einen Teil ebenjener bereits angesprochenen urbanen Komplexität zurück, die durch die ursprüngliche Reduzierung der Stadt auf eine einzige Straße zuvor eingebüßt wird. Im dritten Stockwerk findet sich das Betreute Wohnen, gleichsam einem eigenen kleinen Dorf, abermals mit eigener Identität. Das Westend konfiguriert den Block der Lagerdienste und ebender Einrichtungen, die im Erdgeschoss mit diesen verbunden sind. Dazu zählen verschiedene Lager, die Küche und im Obergeschoss die Wäscherei und die Personalräume.

Hausgemainschaften

Jede Einheit ist auf 2 Etagen um einen Patio herum angeordnet, jeweils mit einem anderen, speziellen Baum bepflanzt, der sein Markenzeichen sein wird, jedem Patio und damit jeder Hausgemeinschaft also ihre Identität gibt. Innenräumlich bleiben die Hausgemeinschaften eher introvertiert, still, zeigen sich aber gleichzeitig extrovertiert und ausgelassen im Bereich der Wohnstuben, die die grüne „Straße“ und den Patio verbinden oder auf den Terrassen des zweiten Geschosses, die sich in die alpine Landschaft öffnen.

Zwei dieser Einheiten teilen sich einen gemeinsamen Service, angeordnet um zwei „Catwalks“ herum, einen Speiseraum, der die „Straße“ überbrückt und so die Komplexität und städtische Dichte erhöht, sowie eine innere Zirkulation zwischen beiden Straßenseiten ermöglicht.

Materialien

Es gibt 2 Atmosphären, zwei Umgebungen, die jeweils maßgeblich durch die verwendete Materialität geprägt sind. Die mit dem Zugang verbundenen Räume, “betreutes Wohnen”, sowie all jene, die eine öffentliche Nutzung beinhalten, zeichnen sich durch eine sichtbare Balken- und Pfeilerstruktur aus Schichtholz und leichte hölzerne Sandwichpaneele aus. Die Böden aus Eichenholz und die Maßstäblichkeit der Holzkonstruktion stellen eine Verbindung mit den traditionellsten Formen von Architektur im Alpenraum her.

Auf der anderen Seite sind die Lager- und Dienstleistungsräume mit Wänden und Platten aus Sichtbeton, polierten Betondecken, die einen bestimmten industriellen Zustand definieren müssen, konfiguriert.

Die nichtöffentlichen Räume werden als Orte von kleinerem Maßstab verstanden, die mit Lochfassaden konventioneller Proportionen verbunden sind, ähnlich den Erfahrungen und Gewohnheiten ihrer Nutzer. Die Stiftung von Identität, konkret dem Gefühl des Zuhause-Seins steht auch hier wieder im Vordergrund.

Energieeffizienz

Die “Passivhaus” -Kriterien werden ebenso berücksichtigt wie Effizienz- und Nachhaltigkeitskriterien. Das Design begünstigt die Möglichkeit der Querlüftung in den heißesten Monaten und den solaren Gewinn im Winter, was den Gesamtenergieverbrauch senkt.